Melderegister – eine unterschätzte genealogische Quelle

Wer sich mit Familienforschung befasst, denkt im Hinblick auf Quellen automatisch an Standesamtsregister und Kirchenbücher. Sicher sind dies auch die wichtigsten genealogischen Quellen. Nur selten werden Melderegister genutzt. Dabei gibt es diese in größeren Städten schon genau so lange, wie Standesämter. Und sie haben für die Familienforschung einen hohen Quellenwert.

Bereits sein 1857 gibt es generelle Vorschriften für das Meldewesen im Deutschen Reich. Allerdings wurde nur in großen Städten schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Meldekarteien erstellt. Dort wo sie vorhanden sind, bieten sie dem Familienforscher aber viele Vorteile.

Inhalt der Meldekarten

Im Gegensatz zu den zeitgleichen Aufzeichnungen der Standesämter oder Kirchengemeinden kommt bei den Meldekarten die gesamte Familie in den Blick. Hauptperson der Meldekarte ist der Haushaltsvorstand, was im 19. Jahrhundert meistens der Mann war. Von ihm sind Geburtsdatum und Ort, Beruf oder Gewerbe, Anschrift, Religion und häufig auch das Eheschließungsdatum festgehalten. Bei Ehescheidungen wird oft der Ort der Scheidung angegeben. Starb der Haushaltsvorstand während der Nutzungszeit der Meldekarte, ist sein Sterbedatum angegeben. Auf den ältesten Meldekarten findet sich auch noch die Rubrik Eltern. Hier finden sich allerdings häufig nur dann Angaben, wenn auch bereits die Eltern in der entsprechenden Stadt gewohnt haben.

Die Ehefrau ist in der Regel an zweiter Stelle aufgeführt. Auch hier finden sich alle wichtigen Lebensdaten. Daran anschließend sind die Kinder aufgeführt. Sollte eines der Kinder verstorben sein, wird das Sterbedatum angegeben. Wenn Kinder im Laufe der Zeit verzogen sind, wird auf der Meldekarte die neue Adresse mitgeteilt. Erreichen die Kinder das Erwachsenenalter, erhalten sie eine eigene Meldekarte. Das ist dann aber auch auf der Karte des Vaters vermerkt, so dass man diese Karten der nächsten Generation dann suchen kann.

Datenschutz

Für Familienforscher bieten die Meldekarteien aber auch noch einen weiteren ganz erheblichen Vorteil. Während für das Standesamt besonders hohe Anforderungen an den Datenschutz bestehen, sind diese im Stadtarchiv, in dem die Melderegister in der Regel liegen, etwas lockerer. Grundsätzlich gilt für Archivalien, dass sie 30 Jahre nach ihrer Entstehung eingesehen werden können. Handelt es sich um Archivgut, das eine natürliche Person betrifft, darf die Archivalie aber erst 10 Jahre nach dem Tod eingesehen werden. Meldekarten betreffen natürliche Personen und unterliegen daher diesem Schutz. Allerdings geht aus dem Archivgesetz auch hervor, dass, wenn der Todeszeitpunkt nicht bekannt ist, eine Ersatzfrist von 90 Jahren nach der Geburt gilt.

Da die Handhabung der Melderegister angesichts dieser Vorschriften sehr schwierig werden kann, kann man in vielen Stadtarchiven in den Melderegistern, die 90 Jahre und länger außer Gebrauch sind, selbständig recherchieren. Andere Stadtarchive geben – unter Berücksichtigung der Fristen – zumindest Auskunft aus den Meldekarten.

Im Vergleich zu den Fristen des Standesamtes, wo 110 Jahre nach der Geburt oder 30 Jahre nach dem Tod gelten, liegt man aber bei der Meldekarte deutlich besser. Einen Bruder des Urgroßvaters, der z. B. 1916 geboren ist, kann ich beim Standesamt nicht mit seinen Daten erfragen. Auf der Meldekarte von 1925, die ausgewertet werden kann, wird er aber aufgeführt sein.

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