Suche nach Westfalen bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie

Der Eintrag des Jan Caspar Hejhoff aus Westenholz

Die Mobilität der Bevölkerung war im 18. Jahrhundert weitaus höher, als allgemein angenommen wird. Beliebtes Ziel aus Westfalen waren die Niederlande. Bekannt ist das Phänomen der Hollandgängerei. Tausende zogen im Sommer von Westfalen nach Holland, um dort als Erntehelfer zu arbeiten. Im Herbst kehrten sie nach Westfalen zurück.

Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC)

Wenig beachtet wurde bislang, dass sich viele Westfalen auch langfristig dort verdingten und zwar bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie, der Vereenigde Oostindische Compagnie kurz VOC.  Eigentlich sollten die Angestellten der VOC folgendes Bewerberprofil mitbringen: Sie sollten aus den Niederlanden stammen, sollten der protestantischen Religion angehören, sie sollten gesund und nicht vorbestraft sein. Bei dem ungeheuren Arbeitskräftebedarf waren diese Vorgaben aber nicht zu halten und so wurden gerade für die niederen Ränge auch Angestellte aus dem ganzen norddeutschen Raum angeworben. Letztlich lag der Anteil der eigentlichen Niederländer sogar unter 50 %. Mareike Menne hat in ihrem Aufsatz „Elendes Volk, vor Batavia ertrunken – Nordwestdeutsche als Angestellte der niederländischen Ostindienkompanie“ (Paderborner Historische Mitteilungen 27/2014 S. 102 – 124) den derzeitigen Forschungsstand zu dieser Personengruppe zusammengefasst.

Die Datenbank des niederländischen Nationalarchivs

Uns Genealogen interessiert natürlich in erster Linie, ob diese Angestellten der VOC recherchierbar sind. Eine Datenbank des niederländischen Nationalarchivs macht die Recherche sogar besonders einfach. Grundlage der Recherche sind die 2.797 Schiffssoldbücher. Über diese sind fast alle Personen, die bei der VOC beschäftigt waren erfasst. Es wird geschätzt, dass lediglich ca. 5 % der Schiffssoldbücher verloren gegangen sind. Es liegen die Daten von ca. 685.000 Besatzungsmitgliedern vor. Der zugrundeliegende Zeitraum ist 1700 – 1794.

Dabei werden natürlich nicht nur die Kernbesatzungen der Schiffe erfasst. Im Wesentlichen sind es neben der Kernbesatzung, die zum Manövrieren der Schiffe erforderlich war, drei weitere Gruppen: Handwerker für die Niederlassungen in Asien, Soldaten und Sonstige wie Kaufleute, Geistliche u.s.w.

Inzwischen sind diese Schiffssoldbücher digitalisiert und über eine Online-Datenbank abrufbar:

http://vocopvarenden.nationaalarchief.nl (08.03.2017)

Bei der Nutzung muss man jedoch einige Besonderheiten beachten. Da es sich um eine niederländische Kompanie und nun auch um einen niederländische Datenbank handelt, sind in der Regel die niederländischen Schreibweisen verwandt worden. Wenn Sie also nach „Meier“ suchen, werden Sie kaum fündig. Geben Sie jedoch „Meijer“ ein, erhalten Sie hunderte Ergebnisse. Grundsätzlich sollten die verschiedensten Schreibweisen ausprobieren. Mareike Menne (s. o.) hat z. B. für „Paderborn“ 30 verschiedene Schreibweisen gefunden und zwar von „Paderborn“ bis „Baderboam“ und „Patenborn“.

Hilfreich sind hier Trunkierungen, die mit dem „*“ möglich sind. Gibt man z. B. meinen Heimatort „Delbrück“ in dieser Form ein, hat man einen Treffer. Sucht man aber nach „Delbr*“ findet man 24 Personen, die definitiv aus Delbrück stammen.

Welche Informationen sind enthalten?

Was erfahren wir aber nun über die einzelnen Personen? Hat man über die Suchmaske eine Person gefunden, erhalten wir in der Regel folgende Informationen:

  1. den Namen, Herkunftsort und die Funktion bzw. den Rang des Besatzungsmitgliedes
  2. das Ende des Dienstverhältnisses (Datum, Ort, Grund)
  3. die Unterzeichnung eines Monatsbriefes (dieser beinhaltete eine Anweisung an die VOC, an die Familie des Betreffenden maximal drei Monatslöhne pro Jahr aus seinem Soldguthaben auszuzahlen) und eines Schuld- bzw. Transportbriefes (eines übertragbaren Schuldscheins) durch das Besatzungsmitglied
  4. die Namen von Zugestiegenen, die am Kap der Guten Hoffnung an Bord gekommen waren.

Natürlich werden auch alle Schiffsnamen angeben. Diese stammen aus der Datenbank von Dutch Asiatic Shipping (DAS). Zwischen 1595 und 1795 segelten unter der Flagge der Vereinigten Ostindischen Compagnie und den ihr vorausgehenden „Vorkompanien“.

Alle Voraussetzungen für eine spannende Recherche sind hier gegeben.

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